STERN des Monats Juni 2010
Doris Pörschke (69) aus Adlershof
Doris Pörschke (69) aus Adlershof, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Projekt „Mobil im Kiez“ (JAO e. V.)
„Seit 10 Jahren bin ich ehrenamtliche Mitarbeiterin bei ‚Mobil im Kiez’, einem Projekt des Jugendwerk Aufbau Ost e. V. Parallel unterstütze ich die Arbeit des Netzwerkes Leben im Kiez. Zudem habe ich mich früher als rechtliche Betreuerin engagiert. Im Projekt ‚Mobil im Kiez’ bin ich verantwortlich für die Bereiche Büroorganisation, Schulung, Dienstplangestaltung, Kooperation mit Einrichtungen und Institutionen (wie z. B. Sozialamt, Sozialdienst, Krankenhaus). Ich betreue und begleite darüber hinaus einige Menschen, die uns aufsuchen, weil sie Unterstützung benötigen. Ich gehe regelmäßig mit ihnen spazieren, helfe beim Einkaufen, bei Behördengängen und verbringe auf diesem Wege Zeit mit Ihnen. Es sind ältere Menschen und jüngere mit Behinderungen, die die Hilfe ihrer Mitmenschen brauchen, weil sie zum Teil keine Angehörigen haben, die sich um sie kümmern. Darin liegt auch das Ziel des Projektes ‚Mobil im Kiez’ – Menschen mobil machen, ihnen zu einem würdevollen Leben verhelfen, wenn sie Dinge des Alltages selbst nicht mehr erledigen können. Dazu gehört auch der familienentlastende Dienst, wie z. B. die Hilfe für Angehörige von Menschen mit Behinderung oder Erkrankung. 15 Mitarbeiter sind zur Zeit auch ehrenamtlich regelmäßig aktiv im Projekt und betreuen 80 Bürger/-innen in Treptow-Köpenick. Mein Ehrenamt bereitet mir große Freude. Ich bin zwar in Rente, aber keine Rentnerin. Ich möchte mein Leben und jeden einzelnen Tag davon aktiv gestalten, Verantwortung haben und das tun, was ich sowieso schon immer gut konnte - schließlich komme ich beruflich aus dem Bereich Gesundheits- und Sozialwesen. Ich bin stolz und glücklich, dass ich den Spagat zwischen dem mir sehr wichtigen Projekt und meinem privaten Leben schaffe. Das war nicht immer so. Als ich Rentnerin wurde, dachte ich gar nicht daran, aufzuhören und habe fast zu viel gemacht. Als ich merkte, dass es mir gesundheitlich dadurch nicht mehr gut ging, bin ich kürzer getreten. Mein Engagement hält mich seitdem nicht nur geistig und körperlich fit und mobil, sondern macht auch Spaß. Jeden Mittwoch leite ich zum Beispiel zusätzlich eine Rommégruppe, bei der das Lachen nie zu kurz kommt. Die Dankbarkeit der Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, gibt mir Kraft und ich habe das Gefühl, gebraucht zu werden. Solange ich gesund bin, möchte ich genauso weitermachen. Die grundlegende Einstellung, dass es wichtig ist, andere Menschen, die Hilfe brauchen, zu unterstützen, habe ich von meiner Mutter mitbekommen. Engagement liegt sozusagen in meiner Familie. Und sie hat Recht, wir sind nicht allein auf der Welt und brauchen einander, das sollten wir nie vergessen. Mir geht es gut und davon gebe ich etwas ab, in der Hoffnung, etwas Wärme schenken zu können und dass die Menschen näher zusammenrücken und aufeinander mehr Acht geben.“
Von: ab


