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STERN des Monats August 2010

Valentina Böhm (53) aus Neukölln

Valentina Böhm (53) aus Neukölln, Engagierte, die das ehrenamtliche Engagement von Treptow-Köpenickern/innen mit Migrationshintergrund fördert

„Als Aussiedlerin bin ich vor 18 Jahren mit meiner Familie aus Sibirien nach Deutschland gekommen. Um mich an mein neues Umfeld zu gewöhnen und mich zurechtzufinden, war es für mich wichtig, schnell in Kontakt mit Menschen in meiner Umgebung zu kommen. Das hat mir sehr geholfen und ich fühle mich gut integriert. Mit der Zeit habe ich auch Einrichtungen und Netzwerke kennengelernt, in denen man die Möglichkeit hat, sich einzubringen und für andere Menschen stark zu machen. Seit 1998 bin ich als Beraterin für Aussiedler und andere Migranten im Projekt DIALOG – Integrationszentrum für Migranten der abw – gemeinnützige Gesellschaft für Arbeit, Bildung und Wohnen mbH hauptamtlich tätig. Vor 5 Jahren hatte ich aus dieser Tätigkeit heraus die Idee, ehrenamtlich eine freie Seniorengruppe, die sich aus Menschen mit Migrationshintergrund zusammensetzt, zu gründen und zu begleiten. Die freie Seniorengruppe wird jetzt von einer ehrenamtlich tätigen Aussiedlerin geleitet. Die 10 – 15 Senioren/innen treffen sich jede Woche für 4 Stunden und machen gemeinsame Ausflüge, wie z. B. Kinobesuche, Schwimmen, Kochen u. ä. und kommen so in Kontakt mit anderen Einwanderern/innen. Es ist nicht selten, dass Menschen, die aus einem anderen Land kommen, einsam sind, da sie Sprachbarrieren haben. Viele Aussiedler sprechen z. B. in unterschiedlichen deutschen Dialekten, die noch heute die Herkunft ihrer Vorfahren verraten. Da diese Dialekte von den Einheimischen oft nur sehr schwer verstanden werden, haben die Betreffenden Hemmungen, sich zu äußern und auf andere zuzugehen. Gruppenaktivitäten mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen, helfen dabei, sich in der Fremde zu Hause zu fühlen und das notwendige Selbstvertrauen zu erlangen.
Die individuelle Unterstützung bei der Integration von z. B. Aussiedlern/innen ist ein weiterer Aspekt meiner haupt- und ehrenamtlichen Tätigkeit. Als ehrenamtliche Vorsteherin der Sozialkommission Migranten berate und unterstütze ich seit einem Jahr ehrenamtlich tätige Aussiedlerinnen, die ältere Migranten in Treptow-Köpenick bei Behördengängen helfen, Kontakte zu Beratungsstellen herstellen und über verschiedene Freizeitangebote informieren. Gemeinsam mit ihnen gratuliere ich über 80-Jährigen im Namen unserer Stadträtin Frau Feierabend zum Geburtstag. Ich helfe wo ich kann, das liegt in meiner Natur. Um mich auch auf politischer Ebene für ältere Menschen stark zu machen, bin ich als Mitglied aktiv im Landesseniorenbeirat engagiert. Meine ehrenamtlichen Tätigkeiten sind neben meiner Haupttätigkeit als Beraterin zeitintensiv. Ich empfinde dies jedoch nicht als Belastung, da die Freude und Dankbarkeit derjenigen, denen ich helfen kann, mir die notwendige Energie geben. Schließlich weiß ich selbst, wie schwer es ist, Fuß in einem anderen Land zu fassen, wenn man allein ist. Es ist wichtig, dass Einheimische offen den Menschen gegenübertreten, die noch nicht so gut in die Gesellschaft integriert sind und dass Menschen mit Migrationshintergrund selbst auch dazu bereit sind, mit Einheimischen in Kontakt zu treten. Ich finde, dass nur, wenn beide Seiten ihre Vorurteile und Ängste abbauen, ein friedliches Miteinander gut funktionieren und das soziale Zusammenleben gestärkt werden kann. Im Mai dieses Jahres wurde ich von der Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales mit der Ehrennadel für besonderes soziales Engagement ausgezeichnet. Darüber habe ich mich sehr gefreut."

Von: ab