Anneliese Schumann (72) aus Charlottenburg mehr...
Aktuelles
13. Oktober 2011
Schreiben heißt, sich selber lesen
STERNENFISCHER Botschafter Sven Riemann (Schauspieler) liest ehrenamtlich bei der Preisverleihung zum Literaturwettbewerb der USE gGmbH „Verschüttete Gefühle“
"Lange steht er an der großen Fensterfront in der Wohnküche im Dunkeln. In einem der Nachbarhäuser brennt noch Licht; auch dort ist jemand wach. Es ist still im Haus.“ Auch im Café Sibylle ist es ganz still. Obwohl der Raum bis auf den letzten Platz besetzt ist, hören alle gebannt dem Schauspieler Sven Riemann zu. Er liest aus der Erzählung „Liebesbrief aus Langeoog“. Es ist die eindrucksvolle Geschichte eines langen Leidenswegs und einer großen Liebe. Beeindruckend ehrlich und direkt erzählt der Schweizer Heinz Ruch. Hierfür hat er den 1. Preis des Literaturwettbewerbs der USE gGmbH erhalten, der ihm am 13. Oktober im Café Sibylle feierlich überreicht wurde.
Im Frühjahr 2011 schrieb die USE ihren zweiten Literaturwettbewerb, der sich an Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung richtete, aus. Schon der erste Wettbewerb von 2008 war mit über 200 Einsendungen sehr erfolgreich. Beim zweiten Wettbewerb erreichten die USE nahezu 300 Beiträge. Ein Grund für den großen Erfolg mag am Thema gelegen haben. An der Auswahl des Mottos „Verschüttete Gefühle“ wirkten Frank und Anke Nußbücker (Preisträgerin des 1. Wettbewerbs), die den gesamten Wettbewerb begleiteten, wesentlich mit. Sie rückten die Sicht der Betroffenen deutlich in den Vordergrund.
Die ehrenamtliche Jury hatte keine leichte Aufgabe aus den vielfältigen Erzählungen, Gedichten und Essays die besten auszuwählen. Die Beiträge geben ein breit gefächertes Bild vom Umgang mit psychischen Erkrankungen aus der Sicht der Betroffenen. Ganz unterschiedliche Erfahrungen, verschiedene Lösungswege werden offenbar und dies in einer künstlerischen Form, die möglicherweise auch zur Verarbeitung des Erfahrenen führte. Jutta Crämer vom APK, dem Verein Angehöriger psychisch Kranker, die Übersetzerin und Lektorin Helga Stehle und der Lyriker Norbert Weiß waren sich aber dennoch schnell einig. Auch die beiden weiteren Siegertexte zeugen von einer hohen Authentizität und Direktheit, die berührt.
Der stimmungsvolle Abend der Preisverleihung konnte mit einem schönen Ausblick abgeschlossen werden: Damit das Thema der psychischen Erkrankungen weiter in die Öffentlichkeit rückt, wird die USE wieder eine Anthologie veröffentlichen. Eine Förderung ist bereits gesichert.
Von: ul



